Ein Tag im Waldkindergarten
Ob es nun regnet, schneit oder sonnig vom Himmel scheint, den Waldpiraten des Waldkindergartens Marienthal ist das egal. Mit passender Kleidung werden sie pünktlich um 8:00 Uhr zur Bushaltestelle Marienthal in Artlenburg gebracht. Die Eltern bilden nach Möglichkeit Fahrgemeinschaften, damit nicht jedes Kind einzeln gebracht werden muss. Beim Bringen und Abholen der Kinder haben die Eltern die Möglichkeit zu einem Informationsaustausch mit den Erziehern. Die Erzieher wiederum nutzen die Anwesenheit der Eltern, um sie über die Entwicklung der Kinder im Kindergarten auf dem Laufenden zu halten.
Beim täglichen Morgenkreis darf jeden Tag ein anderes Kind die Anzahl der Kinder zählen und dabei feststellen, ob und welches Kind fehlt. Anschließend wird noch das eigens getextete Piratenlied gesungen. Nachdem die Eltern sich verabschiedet haben, machen sich die Erzieher mit den kleinen Piraten und ihren Rücksäcken auf den Weg in den Wald.
Die Gruppe kommt eher langsam voran, da die Kinder auf dem Weg allerlei Dinge (Gold (Borke), Diamanten (bunte Glasscherben), Steine, Gräser, Blumen, Moos, Bucheckern, Eicheln, Baumrinde u. v. a. m.) entdecken und sammeln, die sie später für ihr Spiel benutzen.
Im Wald angekommen, wird alles für das erste Frühstück vorbereitet. Die Isomatten werden aus dem Rucksack geholt und auf die Baumklötze gelegt und das mitgebrachte, gesunde, abfallarme Frühstück wird auf den Holztischen ausgebreitet. Nach einem Tischspruch wird ausgiebig gefrühstückt und geplaudert. Bei starkem Regen oder sehr kaltem Wetter wird im Bauwagen gefrühstückt.
Nach dem Frühstück haben die Kinder Zeit zum freien Spiel, bei dem sie mit ihrer Phantasie und Kreativität eigene Spiele erfinden. Meist bilden sich kleine Gruppen, die sich aber immer wieder neu zusammensetzen. Die einen spielen Rollenspiele, wie Pippi Langstrumpf oder Schneewittchen, die anderen bauen neue Höhlen oder schnitzen, hämmern und sägen. Gleichzeitig haben sie aber auch die Möglichkeit in der aufgebauten Hängematte oder Schaukel ihre Seele baumeln zu lassen oder bei schönem Wetter in freier Natur zu malen und zu basteln. Erstaunlich ist immer wieder zu beobachten, wie intensiv die Kinder dabei miteinander sprechen.
Die Zeit bis zum 2. Frühstück wird je nach Wunsch der Kinder gestaltet. Mal werden Traumreisen gemacht, mal Spaziergänge in die Umgebung, wie zum Kletterbaum, zur Sandkuhle, zum Zwergenbaum oder zum See. Bei diesem Spaziergang lernen die Kinder eine Menge über die Natur und ihre Umgebung kennen. Spuren am Boden werden bestimmt und verfolgt, Bäume bestaunt, umfasst und beklettert und Insekten, Vögel und Kriechtiere entdeckt und betrachtet. Es ist erstaunlich, mit welcher Begeisterung die Waldkinder dabei ihre Umwelt betrachten.
Nach einer langen "Reise" wieder im Waldkindergarten angekommen, wird ein zweites Mal gefrühstückt und die Kinder freuen sich dabei besonders auf eine Geschichte oder ein Märchen, welches die Erzieher vorlesen. Man kann dabei deutlich sehen, dass die Kinder sehr lange konzentriert und intensiv zuhören können. Manchmal wird die Geschichte dann auch anschließend nachgespielt.
Am Ende des Vormittags gibt es noch einen Abschlusskreis. Damit jedes Kind von seinen täglichen Erlebnissen berichten kann, wird ein Sprechstein herumgegeben.
Wenn es Zeit für den Rückweg ist, wird der Wald gemeinsam aufgeräumt. Sind die Rücksäcke gepackt und aufgesetzt, geht es zurück zur Bushaltestelle, wo die Eltern um 12.30 Uhr warten. Dann können die Eltern ihre müden aber glücklichen und ausgeglichenen Kinder in die Arme schließen.